Mit der Hologramm-Brille auf die Baustelle

Augmented Reality, Virtual Reality oder auch Mixed Reality – für Technikbegeisterte und Gamer sind das längst keine Fremdworte mehr. Mit speziellen Brillen erleben sie entweder eine komplett virtuelle Realität oder nutzen High-Tech-Hologramm-Brillen, um computergenerierte Objekte mit der realen Welt in einer vermischten Realität verschmelzen zu lassen. Doch die vor allem in der Computerspielbranche vorangetriebene Technologie bietet auch zahlreiche Möglichkeiten für die Industrie und das Bauwesen. Ein einfaches Beispiel: Architekten können die Technologie nutzen, um vor Ort auf dem geplanten Baugrundstück mit einer AR-Brille durch virtuelle Gebäudeanlagen zu führen, bevor die eigentliche Bauphase überhaupt beginnt. Areale von mehreren hundert Quadratmetern können als 3D-Modelle über die tatsächliche Landschaft gelegt werden. Dadurch wird die Planung deutlich anschaulicher für Bauherren.

Erweiterte Realität im Handwerk

AR-Technologien und Datenbrillen wie Microsofts HoloLens könnten aber nicht nur die Planung, sondern auch die Bauausführung selbst revolutionieren. So hat das Bremer Institut für Produktion und Logistik (BIBA) an der Universität Bremen nach zweijähriger Forschungsarbeit im Februar 2020 die Ergebnisse eines Projekts vorgestellt, bei dem AR-Brillen während der Installation eines neuen Klima- und Lüftungssystems einsetzt wurden. Mit dem System lassen sich die zweidimensionalen CAD-Daten über die AR-Technik direkt auf die Baustelle bringen. Eine Datenbrille zeigt dem Mitarbeiter vor Ort alle Schächte, Auslässe und Einbauten aus dem CAD-System, deckungsgleich und maßstäblich auf die Decke oder den Fußboden projiziert. Das gemeinsam mit dem Entwicklungspartner AnyMotion erarbeitete System liest die Daten direkt aus dem Konstruktionsprogramm AutoCAD. Die Daten können dann auf der Baustelle korrigiert, ergänzt und anschießend wieder in das AutoCAD-System zurückgeladen werden.

AR auf dem Bau vorerst Zukunftsmusik?

Obwohl die Technik sich mit großen Schritten weiterentwickelt, müssen auf dem Weg zum täglichen Praxiseinsatz noch einige Hürden genommen werden. Auf der einen Seite sind da die Nutzer: Sie müssen offen für neue Technologien und letztlich bereit für einen tiefgreifenden Wandel ihrer Arbeitsroutinen sein. Möglich wird das nur, wenn die entwickelten Systeme möglichst praxisnah, bedienerfreundlich und niederschwellig sind. Eine reibungslose Schnittstelle zur softwaregestützten BIM (Bauwerksdatenmodellierung) ist dabei selbstverständlich. Und in letzter Konsequenz entscheidet natürlich ein marktfähiger Preis. Für weniger als Tausend Euro sind AR-Brillen derzeit kaum zu bekommen – auch 2.500 oder 5.000 Euro sind nicht unüblich. Eine Summe, die gerade kleinere Handwerkbetriebe so schnell nicht ausgeben, zumal es bisher noch keine etablierten Software-Standards gibt. In ein paar Jahren kann dass allerdings schon ganz anders aussehen.