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„Big Brother“ auf der Baustelle: Immer mehr Bauunternehmer setzen auf Videoüberwachung

Hellweger Anzeiger, Unna · 20.07.2019

Diebstähle auf Baustellen sind ein großes Problem. Immer mehr Bauunternehmen setzen daher auf Videoüberwachung, so wie zum Beispiel am Kessebürener Weg in Unna.

Der Kameraturm mit den blau-weiß schraffierten Schildern auf der Baustelle am Kessbürener Weg ist nicht zu übersehen. „Achtung! Videoüberwachung“ steht dort in großen roten Lettern unter einem Kamerasymbol geschrieben. Ein paar Meter darüber hängen drei echte Kameras, daneben ein Lautsprecher. Denn wer nicht lesen will, muss hören! „Halt! Stopp! Verlassen Sie die Baustelle“, tönt es daraus, wenn ein Unbefugter das Gelände betritt.

So geht moderne Baustellenüberwachung von heute

Wo früher Sicherheitsleute ihre Runden gedreht haben, hängen mittlerweile immer häufiger Kameras und überwachen das Gelände. So sollen Einbrecher und Randalierer nicht nur abgeschreckt, sondern bestenfalls auch identifiziert werden. So auch am Kessebürener Weg 3 in Unna, wo derzeit ein Mehrfamilienhaus mit 22 Wohneinheiten entsteht. Nachdem dort Ende Juni unbekannte Täterin den Rohbau eingedrungen waren und einen Transporter mitsamt Werkzeug mitgehen ließen, entschieden sich die Projektbeteiligten, eine Videoüberwachung zu installieren. „Wenn nach Feierabend Bewegung auf der Baustelle ist, kriegen wir sofort eine Meldung“, erklärt Waldemar Pyka vom Büro Architektur und Baustatik b&w Pyka, das die Generalplanung für
das Projekt innehat.

Die Überwachung fängt nach Feierabend an

Um die Videoüberwachung kümmert sich die Firma Bauwatch aus Ratingen. Über die Kameras können die Mitarbeiter in der Leitzentrale die Baustelle einsehen. „Die Überwachung fängt aber erst abends an, wenn die Baustelle leer ist“, erklärt Marketing Manager Scott Denton. Nehmen die Kameras eine Bewegung wahr, wird ein Alarm ausgelöst. „Unsere Mitarbeiter schauen sich die Bilder dann an, prüfen sie und rufen den Sicherheitsdienst oder direkt die Polizei“, so Denton. Darüber hinaus würden die ungebetenen Gäste per Lautsprecheransage aufgefordert, das Gelände zu verlassen. Auf diese Weise kommt es nach Angaben von Bauwatch zu etwa 1000 Vertreibungen und 50 bis 60 Verhaftungen pro Monat – und das bei insgesamt 1200 Kameratürmen in ganz Deutschland. „Bei Aufforderung bekommt die Polizei auch unser Videomaterial“, betont Denton.

Datenschützer üben Kritik

Datenschützer sind von der Überwachung wenig begeistert. Unter anderem kritisieren sie, dass Handwerker und sämtliche Arbeitsabläufe überwacht werden können. Außerdem könnten von den Kameras auch öffentlich zugänglicher Raum oder Nachbargrundstücke erfasst werden. Sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt, ist eine Videoüberwachung von Baustellen aber auch rechtlich möglich. Immer mehr Bauunternehmen setzen sie daher auch ein.


Dieser Artikel hat folgenden Ursprung:

https://www.hellwegeranzeiger.de/kreis/moderne-massnahme-gegen-diebe-big-brother-auf-der-baustelle-plus-1429846.html