Baustellenüberwachung in Achim: Abschreckende Wirkung

Grünes Licht und ein intelligentes Kamerasystem überwachen das Gelände der früheren Lieken-Brotfabrik in Achim, die zu Beginn des neuen Jahres abgerissen wird.

Sowohl von der Embser Landstraße als auch vom Bahnhof aus ist das grüne Licht – die Greenlight-Überwachung – auf dem Lieken-Gelände nicht zu übersehen. (Fotos: Björn Hake)

Videos von Erkundungstouren durch die ehemalige Lieken-Brotfabrik in Achim sind im Internet mehrfach zu finden. Dass aber nicht nur Abenteurer, sondern auch Kupferdiebe, Randalierer und Partyvolk die leerstehenden Industriebauten für sich entdeckt haben und vorzugsweise nachts dort aktiv sind, war beim jüngsten Rundgang unserer Redaktion gut zu sehen (wir berichteten). Seit etwa zwei Wochen aber werden die ungebetenen Gäste gehörig abgeschreckt. In erster Linie mit grünem Licht, das von sechs Meter hohen Masten ausgestrahlt wird. Den Achimern und Auswärtigen, die im Dunkeln am Gelände vorbeifahren, wird es nicht entgangen sein.

Das Unternehmen Bauwatch, das mit seinem System die Lieken-Baustelle sichert, setzt aber nicht nur das sogenannte Greenlight ein, sondern auch Kameras, die das Geschehen filmen und Bewegungen an die Zentrale melden. „Erst dachten wir, zwei Masten reichen, wir haben aber drei eingesetzt“, sagt Thorsten Rabe. Die Anordnung der verwinkelten Gebäude auf dem großen Gelände hätten die Aufrüstung notwendig gemacht. Der Ganderkeseer ist Außendienstmitarbeiter der Firma Bauwatch in Norddeutschland. Erst vor wenigen Tagen war er auf dem Lieken-Gelände, um noch eine Kamera zu installieren, die auf Materialcontainer ausgerichtet ist. Schließlich haben die Vorarbeiten für den Abriss der Industriebrache begonnen und gleich zu Beginn des neuen Jahres sollen die ersten Mauern fallen, wie Bauleiter Hauke Schiller von der Verdener Abbruch- und Recyclingfirma Regrata sagt.

Steuerung von Ratingen aus

Nachdem Bauwatch die Stromzufuhr für die Masten auf dem Areal sichergestellt hatte, was laut Rabe anfänglich etwas schwierig war und weshalb zunächst Akkus zum Einsatz kamen, startete die Überwachung. „Und seitdem haben wir keinen Zwischenfall, keinen ungebetenen Besucher verzeichnet“, erzählt Rabe. Denn die Kameras zeichnen sofort auf, wenn sie eine Bewegung wahrnehmen, die sie dann an die Zentrale nach Ratingen melden. Dort sitzen Operatoren, die 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche die Alarme bewerten. Schlägt das System an, kann sich der Zuständige in Ratingen das Livebild der Kamera anschauen. Über Lautsprecher können die Mitarbeiter von Ratingen aus Einbrecher, Abenteurer und Co. in Achim ansprechen und des Grundstücks verweisen. Reagieren die Angesprochenen nicht, alarmiert der Operator umgehend die Polizei.

„Das grüne Licht ist aber bereits abschreckend“, weiß Thorsten Rabe um die Wirkung der Leuchtmasten. Das System erkenne und melde sogar, wenn jemand versuche, es zu manipulieren oder zu beschädigen. Neben den möglicherweise in den Gebäuden noch vorhandenen Materialien wie Kupfer, die sich zu Geld machen lassen, sollen mit dem System demnächst auch die Baufahrzeuge, -maschinen oder auch die Dieseltanks und das Baumaterial überwacht werden – und zwar rund um die Uhr. „Für vier Monate ist die Überwachung zunächst geplant“, erzählt Thorsten Rabe. Der Polizei Verden / Osterholz indes sind in den vergangenen zwölf Monaten keinerlei Diebstähle oder Vandalismus auf dem Lieken-Gelände gemeldet worden, schildert deren Sprecher Helge Cassens. „Wir haben nur zweimal den Hinweis erhalten, dass sich spielende Kinder auf dem Grundstück befinden.“

Wie die Firma Bauwatch erklärt, werde das Videomaterial in der Kamera vor Ort gespeichert und nur im Falle eines Alarms durch die integrierte Erkennungssoftware an die Zentrale gesandt. Dort habe ausschließlich das geschulte Sicherheitspersonal Zugriff und verifiziere die Aufnahmen als echten Alarm oder Fehlermeldung. Sollte es sich um einen Fehlalarm handeln, wird das Material gelöscht. Das ursprünglich aus den Niederlanden stammende Unternehmen hat laut Rabe bundesweit derzeit knapp Tausend Systeme im Einsatz.


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